Nach DEITERING sind die aktuellen Konzepte zum selbstorganisierten beziehungsweise selbstgesteuerten Lernen „als Reaktion auf bildungspolitische Diskussionen über fremdbestimmtes Lernen in Schulen und Hochschulen Ende der 60er Jahre entstanden“, wobei er die Wurzeln schon in der Humanistischen Pädagogik sieht:

Ideen der Selbststeuerung sind wesentlich älter (vgl. DEITERING, 1995b). DIESTERWEG (1873) definiert „Selbstthätigkeit“ sowohl als „Mittel“ als auch als „Product der Bildung“, welches letztlich zu freier „Selbstbestimmung“ führte. GAUDIG (1996) forderte 1922 die Selbsttätigkeit des Schülers. MONTESSORI (1909) betonte die selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter. Die Wurzeln des SL’s [selbstgesteuerten Lernens] sind in der Humanistischen Pädagogik (z.B. FREINET 1985; MONTESSORI 1909) und in der Reformpädagogik der 20er und 30er Jahre zu sehen.

Auch humanistische Psychologen wie zum Beispiel ROGERS mit seinem Buch „Lernen in Freiheit“ hätten einen Einfluß auf das selbstorganisierte Lernen ausgeübt.

Im Sinne der Humanistischen Pädagogik, die den Menschen als Ganzheit von „Geist, Körper und Seele“ sieht, steht auch der Begriff von „lernerzentriertem“ Unterricht, den DEITERING als eine wichtige Voraussetzung für das selbstgesteuerte Lernen hält. Dabei ginge es um das Bestreben

„nach einer besseren, ‚menschlicheren‘ Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden, in der eine größere Selbst- und Mitbestimmung möglich ist. Wir bezeichnen den Unterricht als ‚lernerzentriert‘, weil hier der lernende Mensch im Mittelpunkt des Lernprozesses steht.“

Weiter führt er aus, daß lernerzentrierter Unterricht ein Prozeß sei, „in dessen Verlauf Lehrende und Lernende gemeinsam die Lernstruktur so verändern, daß ein immer größeres Ausmaß an Selbständigkeit und Mitbestimmung möglich wird.“ Auch GREIF/KURTZ stellen das prozeßhafte des selbstorganisierten Lernens heraus, wenn sie feststellen:

Wir verstehen selbstorganisiertes Lernen nicht als in sich abgeschlossenes Konzept, sondern als ein für Veränderungen offenes Programm. ... Wir trauen den Lernenden zu, daß sie selber die zukünftige Entwicklung des selbstorganisierten Lernens entscheidend mitbestimmen werden. Was sie nicht aktzeptieren und für sich selber gewinnbringend nutzen können, hat keine Zukunft.

An dieser Stelle möchte ich ergänzend anmerken, daß mir persönlich diese sehr offene Art der Definition von selbstorganisiertem Lernen besonders entgegenkommt, da ich wie GREIF/KURTZ der Auffassung bin, daß sich die möglichen Selbstorganisationsgrade bezogen auf das Lernen mit der gesellschaftlichen Entwicklung verändern werden und von niemanden sicher vorausgesagt werden können und daß die jeweiligen Nutzer den Charakter des selbstorganisierten Lernens grundlegend mitbestimmen werden.

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